Definition
Ösophagus- und Magenvarizen sind erweiterte venöse Gefäße, die hauptsächlich in der Speiseröhre und im oberen Teil des Magens entstehen. Diese Erkrankung tritt in der Regel bei Patienten mit schwerer Lebererkrankung auf und ist eine Folge eines erhöhten Drucks im Pfortader-System.
Pathogenese
Die Hauptursache für Ösophagus- und Magenvarizen ist die portale Hypertension, die meist durch eine chronische Lebererkrankung wie Zirrhose bedingt ist. Der erhöhte Druck im Venensystem führt zur Bildung von Varizen in der Speiseröhre und im Magen als Entlastungsmechanismus.
Diagnose
Die Diagnose von Ösophagus- und Magenvarizen erfolgt in der Regel durch Endoskopie, die eine direkte visuelle Untersuchung der Varizen ermöglicht. Darüber hinaus können bildgebende Verfahren wie Leberultraschall und Doppler-Ultraschall zur Beurteilung der portalen Hypertension eingesetzt werden.
Behandlung
Die Behandlung von Ösophagus- und Magenvarizen zielt darauf ab, den Venendruck zu senken und Blutungen zu verhindern. Dazu können Beta-Blocker zur Drucksenkung, endoskopische Techniken wie die Varizenligatur und in schweren Fällen chirurgische Eingriffe oder die Platzierung eines transjugulären intrahepatischen portosystemischen Shunts (TIPS) eingesetzt werden. Eine kontinuierliche Überwachung und Behandlung der zugrunde liegenden Lebererkrankung ist ebenfalls entscheidend.
Warum Varizen gefährlich sind
Varizen verursachen selbst keine Beschwerden. Ihre Bedeutung liegt allein im Risiko einer Blutung, einer der schwerwiegendsten Komplikationen der Leberzirrhose. Je größer die Varize und je höher der Pfortaderdruck, desto höher das Risiko.
Wer braucht eine Screening-Endoskopie?
Nicht jeder Patient mit Zirrhose. Nach dem Baveno-VII-Konsens haben Patienten mit kompensierter fortgeschrittener chronischer Lebererkrankung, deren Lebersteifigkeit unter 20 kPa und deren Thrombozytenzahl über 150.000 liegt, eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit behandlungsbedürftiger Varizen. Bei ihnen kann auf die Screening-Endoskopie verzichtet werden, stattdessen erfolgen jährliche Kontrollen.
Vorbeugung der ersten Blutung
Etabliert sind zwei Wege: nichtselektive Betablocker, wobei Carvedilol bevorzugt wird, da es nicht nur das Blutungsrisiko, sondern auch das Risiko einer Dekompensation senkt, sowie die endoskopische Gummibandligatur bei Unverträglichkeit oder Kontraindikation gegen Betablocker.
Die akute Varizenblutung
Sie ist ein Notfall. Die Behandlung umfasst eine zurückhaltende Transfusionsstrategie, vasoaktive Medikamente, eine Antibiotikaprophylaxe, die das Überleben unabhängig verbessert, und die Endoskopie mit Ligatur innerhalb der ersten Stunden. Bei ausgewählten Hochrisikopatienten verbessert die frühzeitige Anlage eines TIPS die Prognose.
Nach der Blutung
Ohne Sekundärprophylaxe ist das Rezidivrisiko hoch. Standard ist die Kombination aus nichtselektivem Betablocker und wiederholter Ligatur bis zur Eradikation der Varizen, gefolgt von endoskopischen Kontrollen.
Zahlen im Überblick: Die Endoskopie kann bei einer Lebersteifigkeit unter 20 kPa und Thrombozyten über 150.000 entfallen. Bei akuter Blutung erfolgt die Endoskopie innerhalb der ersten 12 Stunden, begleitet von vasoaktiven Medikamenten und Antibiotikaprophylaxe.
Varizen entstehen als Folge der portalen Hypertension bei Leberzirrhose. Die Diagnostik erfolgt über eine Magenspiegelung.
- Endoskopie entbehrlich bei Lebersteifigkeit unter 20 kPa und Thrombozyten über 150.000
- Akute Blutung: Endoskopie innerhalb der ersten 12 Stunden
- Antibiotikaprophylaxe verbessert unabhängig das Überleben
- Carvedilol wird gegenüber klassischen Betablockern bevorzugt
Häufige Fragen
Quellen
- European Association for the Study of the Liver, Baveno VII: Renewing consensus in portal hypertension. https://doi.org/10.1016/j.jhep.2021.12.022
Letzte Aktualisierung des Inhalts: September 2026 (22/09/2026).

