Was ist ein Ösophagusspasmus?
Der diffuse oder distale Ösophagusspasmus (DES), umgangssprachlich Krampf in der Speiseröhre, ist eine Motilitätsstörung der Speiseröhre. Durch einen Verlust der hemmenden Nervenversorgung kontrahiert sich die Speiseröhre verfrüht, statt die Nahrung in einer geordneten Welle weiterzubefördern.
Die Erkrankung ist selten, verläuft bei den meisten Betroffenen nicht fortschreitend und gehört zu den Motilitätsstörungen der Speiseröhre.
Symptome
- Brustschmerzen hinter dem Brustbein, von leicht bis sehr stark, mit Ausstrahlung in Rücken oder Kiefer. Sie treten nicht zwingend beim Schlucken auf und ähneln Herzschmerzen so stark, dass eine kardiologische Abklärung immer zuerst erfolgen muss.
- Schluckbeschwerden (Dysphagie) für feste und flüssige Speisen, häufig ausgelöst durch sehr kalte oder sehr heiße Getränke.
- Gefühl, dass die Nahrung stecken bleibt, teilweise mit Regurgitation.
- Die Beschwerden sind typischerweise anfallsartig und wechselhaft, mit beschwerdefreien Intervallen.
Wie lange dauert ein Ösophagusspasmus?
Ein einzelner Krampf dauert in der Regel von wenigen Sekunden bis zu einigen Minuten. Manche Episoden klingen von selbst ab, andere ziehen sich über eine halbe Stunde hin.
Zwischen den Episoden sind viele Betroffene völlig beschwerdefrei, und die Abstände reichen von mehrmals täglich bis zu wenigen Malen im Jahr. Genau dieser wechselhafte Verlauf erschwert die Diagnose: Zum Zeitpunkt der Untersuchung kann alles unauffällig sein.
Wichtig zur Einordnung: Die Erkrankung ist in der Regel nicht fortschreitend. Sie führt anders als die Achalasie normalerweise nicht zu einer zunehmenden Erweiterung der Speiseröhre.
Ein Krampf, der länger als 20 Minuten anhält und mit Luftnot, Schweißausbruch oder Ausstrahlung in den linken Arm einhergeht, gehört als Notfall abgeklärt, bis eine kardiale Ursache sicher ausgeschlossen ist.
Ösophagusspasmus und Nussknacker-Ösophagus
Beide sind spastische Störungen, aber nicht dasselbe.
Beim Ösophagusspasmus stimmt der zeitliche Ablauf nicht: Die Kontraktion setzt zu früh ein. Beim Nussknacker-Ösophagus ist der Ablauf geordnet, die Kontraktionen sind aber viel zu kräftig.
Die Bezeichnung hat sich geändert. In der aktuellen Chicago-Klassifikation Version 4.0 heißt der Nussknacker-Ösophagus hyperkontraktiler Ösophagus, und der Schwellenwert wurde angehoben. Der Begriff Nussknacker wird zwar noch häufig verwendet, gilt fachlich aber als überholt.
Diagnose
Hochauflösende Manometrie. Sie ist der Goldstandard und die einzige Untersuchung, die die Diagnose sichert. Gemessen wird unter anderem die distale Latenz, also ob die Kontraktion verfrüht einsetzt.
Breischluck. Kann die typische Korkenzieher- oder Rosenkranzform der Speiseröhre zeigen. Ein unauffälliger Befund schließt die Erkrankung jedoch nicht aus, da der Spasmus nur zeitweise auftritt. Sogenannte tertiäre Kontraktionen kommen zudem auch bei beschwerdefreien Menschen vor, besonders im höheren Alter.
Endoskopie. Meist unauffällig. Sie dient dem Ausschluss anderer Ursachen wie einer Engstelle, einer eosinophilen Ösophagitis oder einer Refluxkrankheit (GERD), die häufig begleitend besteht und die Beschwerden verstärken kann.
Behandlung
Medikamentös. Muskelrelaxantien wie Nitrate und Kalziumantagonisten, in ausgewählten Fällen auch Botulinumtoxin. Die Ergebnisse sind uneinheitlich und Nebenwirkungen wie Blutdruckabfall und Kopfschmerzen können begrenzend sein.
Behandlung eines begleitenden Refluxes. Da eine Refluxkrankheit häufig mitbesteht und Beschwerden auslösen kann, ist eine ausreichende Säurehemmung ein sinnvoller erster Schritt.
Neuromodulatoren in niedriger Dosierung wirken auf die viszerale Überempfindlichkeit und nicht auf die Motilität selbst. Sie haben bei ösophagealem Brustschmerz einen belegten Stellenwert.
Perorale endoskopische Myotomie (POEM). Kommt bei therapierefraktären Verläufen infrage, da die Myotomie nicht nur den unteren Schließmuskel, sondern auch den spastischen Abschnitt der Speiseröhre erfasst. Die europäischen Leitlinien raten allerdings zur Zurückhaltung außerhalb der Achalasie, weil die Datenlage bei spastischen Störungen begrenzt ist.
Operation. Eine lange Myotomie bleibt Einzelfällen vorbehalten. Zu bedenken ist: Der Eingriff verringert die Stärke der Kontraktionen, nicht deren Häufigkeit, und Brustschmerzen sprechen besser an als Schluckbeschwerden.
Der Spasmus zählt zu den Motilitätsstörungen der Speiseröhre und muss von der Achalasie unterschieden werden, die im Gegensatz dazu fortschreitend verläuft.
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Krampf in der Speiseröhre?
Ein einzelner Krampf dauert meist von wenigen Sekunden bis zu einigen Minuten, manche Episoden auch länger. Zwischen den Episoden sind viele Betroffene völlig beschwerdefrei, wobei die Abstände von mehrmals täglich bis zu wenigen Malen im Jahr reichen. Hält ein Anfall länger als 20 Minuten an oder geht mit Luftnot und Ausstrahlung in den linken Arm einher, muss zuerst eine Herzerkrankung ausgeschlossen werden.
Ist ein Ösophagusspasmus gefährlich?
Die Erkrankung selbst ist in der Regel nicht fortschreitend und führt anders als die Achalasie normalerweise nicht zu bleibenden Schäden der Speiseröhre. Gefährlich ist vor allem die Verwechslung: Die Brustschmerzen ähneln Herzschmerzen so stark, dass eine kardiologische Abklärung immer zuerst erfolgen muss.
Was ist der Unterschied zum Nussknacker-Ösophagus?
Beim Ösophagusspasmus stimmt der zeitliche Ablauf nicht, die Kontraktion setzt verfrüht ein. Beim Nussknacker-Ösophagus ist der Ablauf geordnet, die Kontraktionen sind aber viel zu kräftig. In der aktuellen Chicago-Klassifikation Version 4.0 heißt der Nussknacker-Ösophagus hyperkontraktiler Ösophagus.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Ausschließlich mit der hochauflösenden Manometrie, die als Einzige die verfrühten Kontraktionen nachweist. Der Breischluck kann die typische Korkenzieherform zeigen, ein unauffälliger Befund schließt die Erkrankung aber nicht aus, da der Spasmus nur zeitweise auftritt. Die Endoskopie dient dem Ausschluss anderer Ursachen.
Quellen
- Yadlapati R et al., Esophageal motility disorders on high-resolution manometry: Chicago Classification version 4.0. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8034247/
- Weusten BLAM et al., Endoscopic management of gastrointestinal motility disorders part 1: European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE) Guideline. https://doi.org/10.1055/a-1160-5549
Letzte Aktualisierung des Inhalts: September 2026 (14/09/2026).

